# 23 Gedenkstätte Adlerwerke
Shownotes
Industriegeschichte, Zwangsarbeit, Konzentrationslager und Bildung – all das trifft an einem Ort mitten in Frankfurt zusammen. Ich habe den Geschichtsort Adlerwerke in Frankfurt am Main besucht. Zusammen mit dem Leiter Thomas Altmeyer und Lioba Martini, Referentin für Bildung und Vermittlung, entdecken wir diese besondere Gedenkstätte, die zeigt, warum Erinnerung auch heute gesellschaftlich relevant bleibt.
Das Interview lief bei radio x im Rahmen der Sendung WISSENschaffen im Juni 2026 (www.radiox.de).
Website: https://wissenschaffen.at/ E-Mail: wissenschaffen@nadinezeidler.de
Musik: www.pixabay.com/Stockaudios
Transkript anzeigen
00:00:05: Ihr hört im Podcast Wissenschaften mit Nadine Zeitlar.
00:00:08: schön, dass ihr dabei seid.
00:00:09: Hier geht es um Wissenschaftskommunikation und spannende Themen, die mich interessieren und begeistern.
00:00:15: Die Interviews sind teilweise Mitschnitte aus meiner Live-Radiosendung oder von dem Rahmen anderer Audiobeiträge statt.
00:00:21: Ich wünsche euch viel Spaß beim Hören!
00:00:35: Ja Frau Martini und Herr Altmaier ich freue mich sehr, dass wir heute hier zusammen an einem ganz besonderen Ort in Frankfurt stehen – an den früheren Adlerwerken.
00:00:43: Herzlich willkommen!
00:00:44: Vielen Dank, dass Sie da sind heute.
00:00:46: Hallo, Grüß Sie.
00:00:47: Ja sehr gerne!
00:00:48: Was waren die Adlerwerke für ein Ort?
00:00:51: Die Adlerwerke waren ein total wichtiges und großartiges Unternehmen in Frankfurt gewesen.
00:00:56: Zunächst im Gutleutviertel gewesen, dann hier ins Gallus gezogen und waren ein wichtiger Arbeitgeber.
00:01:02: hier bis zu zehntausend Menschen gearbeitet.
00:01:04: Und was die Adlerwerkern geschaffen haben, waren unter anderem die ersten Schreibmaschinen im Deutschen Reich wurden von den Adler Werken gebaut bzw.
00:01:11: von der Heinrich-Kleier AG und OHG wie sie vorher gehießen haben.
00:01:15: das erste sogenannte Niederfahrrad also einen Fahrrad mit zwei Gleichkostenreifen Luftdruckreifen wurden von den Adlerwerken produziert bis hin zu Automobilbau.
00:01:24: Die waren Anfang der dreißiger Jahre in den Automobilzulassung im Deutschen Reich ungefähr gleich stark wie Daiben-Larbenz gewesen, das heißt ein großes wichtiges Unternehmen für Frankfurt und für das Gallowsviertel.
00:01:36: Viele kennen wahrscheinlich die Adler Werke nur aus der Industriegeschichte doch dieser Ort mitten in Frankfurt wurde während der Zeit des Nationalsozialismus zu einem Schauplatz von Zwangsarbeit.
00:01:47: was ist hier damals passiert?
00:01:50: Die Adlerwerke sind einerseits, glaube ich ganz typisch für viele Unternehmen im Dritten Reich.
00:01:54: Das eine ist schon in den Mitte der dreizeiger Jahre profitieren die Adler Werke von der antisemitischen Arisierungspolitik.
00:02:00: Es werden vier Grundstücke von jüdischen Unternehmen preisweit aufgekauft und in das Firmengelände entsprechend inkorporiert – das ist so ein Teil was viele anderen Firmen an anderen Städten auch gehabt haben.
00:02:11: Dann hat man auch Mitte der Dreiziger Jahre die Produktion verändert hin zur Rüstungsproduktion Und hat dann ab einigen Jahren die ersten zivilen Zwangsarbeiter, zunächst Franzosen in die Adlerwerke.
00:02:24: Es waren Unternehmen wie viele andere, die Zwangsserbeiterinnen und Zwangserbeiter beschäftigt haben.
00:02:28: Ja, aus dem Jahr ja.
00:02:30: Und in den vergangenen Jahren haben wir hier auch noch ein paar KZ-Täftlinge.
00:02:40: Das heißt ab August, ist die erste KZ Häftlinge, und dann wird es auf jeden Fall von Polen, insgesamt aus elf Ländern, und werden hier Teil der Fabrik Kapazitäten und sind bis eben zur Aufregung von Konzentrationslagers hier da.
00:02:56: Das heißt im Nationalsozialisten oder im Zweiten Weltkrieg haben wir hier gleichzeitig normale deutsche Arbeitskräfte, wir haben zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangserbeiter plus KZ-Hefteligen die hier in der Fabrik gemeinsam an verschiedenen Stellen entsprechend arbeiten und sichtbar sind.
00:03:11: Ja und wie viele Personen waren das dann insgesamt?
00:03:14: Im Konzentrationslager waren tausend sechshundertsechzehn Heftlinge.
00:03:17: Davon waren fünfundachzig Prozent kamen aus Polen und insgesamt eben aus elf Ländern, ein paar aus Juxlavien, ein Paar Sowjetrussen dabei gewesen ganz wenige Franzosen aber wie gesagt der Großteil war eben Männer aus
00:03:29: Poln.
00:03:31: Und wir stehen jetzt hier an einem Turm und dort war das Konzentrationslager untergebracht.
00:03:37: Genau, so ein bisschen anders wie wir uns Konzentrationslager vorstellen.
00:03:40: Wir haben immer das dem Blick auf Barakken die entsprechend irgendwo eingerichtet sind.
00:03:45: bei diesen späten Außenlagern ist es oft so dass sie Konzentationslager in Gebäude oder im Nah von Fabrikationsstandorten gebracht werden.
00:03:53: Es gibt Fälle wo die Häftlingen durch Dörfer oder Städte laufen müssen.
00:03:56: Hier sind die Häftlinge direkt in der Fabrik und müssen einen relativ kurzen Weg.
00:04:00: Das heißt, sie gehen vom vierten Obergeschoss des Turmes teilweise nur ins Erdgeschoss oder ins erste UG und sofort in die Produktion hinein.
00:04:08: Ja,
00:04:09: vom Konzentrationslager selber sieht man gar nichts mehr.
00:04:12: Also wir stehen jetzt hier vor einem wunderschönen sanierten Backsteingebäude und es weist hier an diesem Originalstandort tatsächlich gar nichts darauf hin dass hier eben dann im Jahr vierundvierzig das konzentrationslage errichtet wurde.
00:04:27: Ja, tatsächlich wusste ich das mit dem Konzentrationslager auch selber gar nicht.
00:04:30: Adlerwerke zum Begriff gewesen aber sich dann weiter recherchiert habe hat mich das selber sehr überrascht.
00:04:36: so mitten in der Stadt da kommen wir auch gleich nochmal drauf zu sprechen.
00:04:38: ja wir gehen jetzt ein Stück weiter beziehungsweise mal ins Gebäuderei nämlich in ihrer Ausstellung und sprechen dann gleich weiter.
00:04:46: Wir stehen hier in der Ausstellung im Gebäude inneren der früheren Adler Werke Frankfurt.
00:04:52: was zeigen Sie hier in einer Ausstellung?
00:04:56: Eingangsbereich, erst mal so eine Orientierung.
00:04:58: Was war die Fabrik?
00:04:59: Wann hat sie sich gegründet?
00:05:00: Welche Produkte haben Sie hergestellt und wie war die Nachgeschicht?
00:05:03: also wie ist es aus der Fabrik zu einer Gedenkstätte geworden?
00:05:06: Es ist ein bisschen chronologisch dargestellt Und die Hauptteile der Ausstellung befinden sich hier in den Ausstellungsraum.
00:05:12: zum Einreden über Zwangsarbeit das Verbrechen mitten im Alltag für ganz Frankfurt Wo sind die zivilen Zwangsarbeiter untergebracht?
00:05:20: Wo kommen sie her, welche Akteure waren da entsprechend beteiligt.
00:05:23: Wir haben verschiedene Biografien und einen großen Medientisch wo man sehen kann, wo im heutigen eigenen Stadtteil vielleicht Zwangspeiter früher untergebracht gewesen sind dass man sich auch noch mal orientieren kann und wirklich sehen kann das ist ein Phänomen was mitten in der Stadt war und man konnte damals eigentlich nicht um das Thema Zwangsserbeiter rum kommen, egal wie man sich in der Stadt bewegt hat.
00:05:44: Wenn ich zum Bäcker gegangen bin ist ziemlich sicher in der Backstube einen Zwangsarbeiter gewesen, in der Mühle wo es Getreide gemalt worden ist oder auch spätestens auf dem Bauernhof, der das Getreidige ernten hat.
00:05:54: also da gibt's unheimlich viele Punkte wo man einfach Kontakte zu Zwangspeiterinnen und Zwangserbeitern gehabt hat.
00:06:00: Der zweite Teil der Ausstellung geht um das Konzentrationslager.
00:06:03: wir wollen hier erklären Das System der Zwangsarbeit funktioniert nicht mehr und die Adlerwerk entscheidet sich hier ein Konzentrationslager einzurichten.
00:06:11: Und da geht es eben um KZ-Heftlingen, um die tausend sechsuntersächzehnten Menschen, die und Männer, die hergekommen sind.
00:06:17: Dann haben wir eben verschiedene Themen.
00:06:18: Wir haben verschiedene Biografien, denen man anhören kann.
00:06:21: Wir habe vier Themen nochmal vertiefend gemacht.
00:06:24: Da geht es um die Lebensbedingungen, um den Arbeitseinsatz, um Auch hier waren Leute beschäftigt.
00:06:31: Der Stadtteil ist ganz nah, wenn Sie zum Fenster rausgucken sehen sie die Gebäude, die damals auch schon gestanden sind.
00:06:36: das heißt es für uns ein wichtiges Thema und die Gewaltgeschichte sowohl hier an dem Ort bis hin eben zu dem Todesmarsch in einem Räumungsprozess der Adlerwerk aber auch noch mal ganz viele Heftlinge umgekommen sind.
00:06:49: Ja ich sehe eine Tafel vor uns.
00:06:52: Sind das die Namen der Heftlingen?
00:06:54: Genau wir konnten über die Forschungsarbeiten von Andrea Rudolf glaube ich wirklich alle Namen der Häftlinge, die hier waren, rekonstruieren.
00:07:01: Und uns war es so wichtig eben alle einzeln als Persönlichkeiten zu zeigen dass entsprechend da sind sichtbar sind gerade weil eben hier in Frankfurt dieses Konzentrationslager lange Zeit vergessen gemacht worden ist aber man das nicht thematisiert hat und wie auch heute immer noch Besucherinnen und Besucher bekommen die sagen Ich habe gerade erst gehört das und ich wünsche ihm seit zwanzig Jahren in Frankfurt Das ist wirklich ein ganz häufiger Kommunikationsmoment.
00:07:26: Und die Geschichten, die Biografien, die sie aufgreifen, da sprechen wir auch gleich nochmal drüber.
00:07:34: Das sind wirklich die Geschichte von den Menschen hier waren und arbeiten mussten.
00:07:40: Also wir haben als Hörstation verschiedene Biografien.
00:07:42: Wir haben die Heftlinge, wir haben aber auch Täter und Funktionshäftlinge mit, sagen wir mal, das sind auch nur eskenplarische Biographien, sieben Stück.
00:07:49: Das heißt, wir können nicht alle machen!
00:07:51: Wir haben aber eben an verschiedenen Stellen der Ausstellung eben die Stimmen der Überlebenden, die ja nicht ganz so viele gewesen sind, also auch so biografische Elemente, die wir eben rekonstruieren
00:08:02: konnten.
00:08:02: Wie muss man sich denn die Arbeit hier vorstellen, wie haben die Menschen ihre Zeit verbracht?
00:08:08: Wie war das Leben hier?
00:08:10: Die Produktion war sehr eintönig.
00:08:13: Monoton, harte Arbeit.
00:08:15: Man musste große Maschinenprodukte bedienen und entsprechend durfte man trotz dieser Monotonie schauen, dass man keine Fehler macht.
00:08:24: Sobald man irgendwie ... Zehn Stunden an der Standspresse ist und nach drei Stunden geht ein Teileffekt, kann sofort als Apotage gewertet werden.
00:08:32: Und entsprechend harte Strafen bis hin zur Todesstrafe können da kommen oder die Heftlinge können sich verletzen weil sie kraftlos sind.
00:08:40: es gibt viel zu wenig Nahrungsmittel DSS Kassierteile der Nahrungsmittel und nutze die eigene Zwecke.
00:08:47: Und das spiegelt sich nämlich auf der Häftlingsseite dann wieder, die einfach unter Ernährten kraftlos sind und müssen gleichzeitig aber ein gewisses Arbeits-Soll erfüllen.
00:08:56: Das führt eben zu vielen Verletzungen Und wenn man verletzt ist, bedeutet es auch, dass man eben nicht zum Arzt geht und ins Krankenhaus oder so was.
00:09:04: Sondern für die Häftlinge heißt das, wenn sie überhaupt in's Krankenrevier kommen ... Es gibt eine kleine Krankenstation.
00:09:10: Heißt als gleichzeitig Nahrungsmittelreduktion auf fünfzig Prozent.
00:09:14: Das heißt, muss man immer überlegen, kann ich noch trotzdem weiterabend wo ich verletzst bin?
00:09:19: Oder gehe ich dieses Risikorein ins Krankenreviert zu kommen, muss zwar nicht arbeiten aber ich kriege noch weniger zu essen.
00:09:26: Schrecklich!
00:09:27: Man kann sich das ein bisschen vorstellen, aber natürlich nicht sehr.
00:09:31: Da wird man auch ganz anders, wenn Sie das so erzählen.
00:09:33: Vor allem auch, wenn man sich vorstellt... sind, wo die Arbeit hier oder die Zwangsarbeit auch wirklich ein Teil war des Lebens der Menschen.
00:09:40: Neben der historischen Aufarbeitung spielt hier in der Gedenkstätte auch die Bildungsarbeit eine zentrale Rolle gerade für junge Menschen.
00:09:47: Frau Martini sie sind mit der Bündungsarbeit hier betraut in den Adlerwerken, früheren Adlerwerk in Frankfurt.
00:09:52: was können denn Besucher hier lernen?
00:09:55: Was sie im Geschichtsbuch nicht lernen oder nicht finden können?
00:09:59: Ja hier bei uns vor Ort kann man eigentlich Geschichte verorten also die NS-Verbrechen im eigenen Stadtteil rekonstruieren, sich darüber informieren.
00:10:11: Aber deswegen auch irgendwie verstehen dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht nur ganz weit weg im Osten in Auschwitz das ist ja das bekannteste Konzentrations- und Vernichtungslager stattfanden sondern eben auch im eigenen Stadteil in der eigenen Stadt.
00:10:25: Und das passiert hier tatsächlich durch Anschauung aber auch durch Gespräch dialogisch Aber auch kreativ, interaktiv insbesondere dann mit Jugendlichen.
00:10:37: Und ich glaube das ist eine Besonderheit die wir hier vor Ort sehr gut vermitteln können.
00:10:42: Zumal wir uns ja hier auch mitten in der Innenstadt befinden und dass es oft dann auch bei Jugendlichen irgendwie so ein Aha-Moment wo man merkt okay das ist jetzt angekommen!
00:10:51: Wir sind drei Minuten von der S-Bahn hier her gelaufen und sind jetzt hier im Geschicht Sort Adlerwerke und da merkt man schon auch so ne Verordnung findet dann statt.
00:11:03: Ja also lernen wirklich direkt an dem Ort des Geschehens, wie vermitteln Sie denn die einzelnen Themen?
00:11:09: Also durch die Ausstellung natürlich aber sie machen ja auch Workshops.
00:11:13: Wie findet Lern konkret dann statt?
00:11:15: Unsere Workshop für Jugendliche insbesondere sind nur interaktiv.
00:11:19: wir bieten gar keine Führungen in so einem klassischen Gedenkstättenführungs Sinne an sondern arbeiten nur gedenkstellend pädagogisch das heißt lassen die Jugendlichen auch selber sich, die Themen erarbeiten geben ihnen auch eine gewisse Freiraum.
00:11:34: Die Themen selber auch zu entscheiden.
00:11:36: was interessiert mich eigentlich gerade?
00:11:37: Was möchte ich eigentlich gerade recherchieren und was möchte ich selber herausfinden?
00:11:42: Und die Themen die dann sozusagen meistens im Vordergrund stehen ist zum einen das Thema Zwangsarbeit.
00:11:47: Das ist natürlich ein Thema was man sehr gut auch in die Gegenwart holen kann.
00:11:52: Also wenn ich mit den Jugendlichen im Gespräch bin, gibt es Zwangsarbeit eigentlich auch heute noch.
00:11:58: Kommen da total viele Anknüpfungspunkte in die gegenwahrt.
00:12:02: Da fallen Stichworte wie Fast-Fashion und andere Produkte, die heute produziert werden unter unmenschlichen Bedingungen.
00:12:11: Und da glaube ich, kann man total gut eine Kontinuität aufzeigen, wenn man über Ein weiteres Thema, was natürlich superrelevant ist das Thema Rassismus und da würde ich Ihnen gerne einen Ausstellungselement zeigen.
00:12:24: Sehr gerne!
00:12:26: Hier bei uns... An der Wand über die zivilen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsharbeiter haben wir Abbildungen von rassistischen Markierungen.
00:12:35: Sie sehen hier einen kleinen Aufnäher, den die Menschen sich auf die Kleidung nähen mussten und darauf ist zum Beispiel auf gelbem Hintergrund ein P abgebildet.
00:12:47: Und diese Markierung musste tatsächlich Polen, also polnische Menschen Polen und Polen tragen.
00:12:54: das war tatsächlich noch vor dem Judenstern Und war die erste rassistische Markierung, die die Menschen aus dem öffentlichen Leben und aus der Gesellschaft ausschlossen.
00:13:05: Eine weitere Markierung ist dieser sogenannte Ostauf näher – das sind zwei Bilder mit denen wir immer sehr gut ins Gespräch kommen.
00:13:16: Was bedeutet eigentlich gesellschaftliche Teilhabe?
00:13:19: Wie war auch Rassismus in der Zeit des Nationalsozialismus strukturiert und organisiert?
00:13:26: Und das ist eine weitere Besonderheit des Ortes hier und vielleicht auch unserer Vermittlungsarbeit.
00:13:33: Die meisten Menschen, die zu uns kommen gehen davon aus, dass dadurch, dass es hier in Konzentrationslager gab, dass hier Jüdinnen und Juden verfolgt wurden.
00:13:44: Es waren allerdings nur sehr wenige jüdinnen- und juden.
00:13:47: Mein Kollege hatte schon gesagt, der Inhaftierten war ein polnischer Herkunft.
00:13:54: ganz wichtiger Moment zu sehen, okay nicht nur die zivilen Zwangsarbeiterinnen mussten diesen Auf näher tragen sondern auch im Konzentrationslager waren hauptsächlich polnische Menschen und das ist ein weiterer Aha-Moment sozusagen in der Vermittlungsarbeit.
00:14:10: Dass es eben nicht nur Juden waren, die im Koncentrationslagers waren?
00:14:14: Und Arbeit auch immer nach rassifizierten Systemen und Ordnungen funktioniert also sowohl die zivile als auch die Zwangsarbeit im Konzentrationslager.
00:14:25: Das heißt, Sie bieten interaktive Workshops für Schuhklassen?
00:14:30: Gibt es noch andere Angebote also für Einzelbesucher genau?
00:14:32: man kann auch als Einzel Besucher hier durch die Ausstellung gehen?
00:14:36: Genau!
00:14:36: Also wir bieten für alle Zielgruppen eigentlich was an.
00:14:39: Wir bieten auch maßgeschneiderte Angebote an.
00:14:41: Man kann sich bei uns melden und sagen wir würden gerne mit so einer Gruppe zu diesem und jedem Thema arbeiten.
00:14:47: dann können wir versuchen das zu konzipieren.
00:14:51: Ansonsten ist eine weitere Zielgruppe sind Gewerkschaftsgruppen, da haben wir ganz regelmäßig Menschen die zu uns kommen.
00:14:58: aber natürlich auch alle anderen Geschichtsinteressierten oder einfach nur an Frankfurt interessierten Menschen können auch in Form von Gruppen, Tagesseminare, Workshops und Fortbildungen bieten auch teilweise Fortbildung für Multiplikatorennen an.
00:15:11: Da haben wir eine große Bandbreite sozusagen auch für Erwachsene.
00:15:15: Ja wunderbar.
00:15:16: Persönliche Geschichten spielen ja bei ihrer Arbeit auch eine wesentliche Rolle, warum?
00:15:20: Weil dadurch die Geschichte noch mal greifbarer wird?
00:15:23: Tatsächlich also subjektive Zugänge sind immer sehr wichtig gerade auch in der Arbeit mit Jugendlichen Weil so, wenn Sie das hier so sehen.
00:15:32: Dieser Ausstellungsraum wirkt eher erst mal zurückhaltend und sobald man sich dann aber mit einzelnen Lebensgeschichten in der Tiefe beschäftigt – also wir bieten zum Beispiel auch einen Biografieworkshop an wo jugendliche einzelne Lebensgeschichte nochmal recherchieren können – werden diese geschichtlichen abstrakten Dinge die sie jetzt vielleicht auch hier zum System der Zwangsarbeit sehen sehr konkret und was das eben für die einzelnen Menschen bedeutete Und so wird Geschichte nochmal greifbarer.
00:16:04: Ja, absolut!
00:16:05: Welche Reaktionen halten Sie dann von Besuchern, die hier in die Ausstellung kommen?
00:16:09: Durchweg positive.
00:16:11: Also bisher hatten wir noch keine oder wirklich sehr vereinzelt negative Rückmeldungen.
00:16:17: generell sind sowohl die Erwachsenen als auch die Jugendlichen oder jungen Erwachsene super begeistert von der Ausstellung.
00:16:26: Natürlich wenn man mit einer Schulklasse her kommt, dann ist die Motivation manchmal auch nicht ganz so hoch.
00:16:31: aber trotzdem ist das Feedback meistens positiv weil und dass es vielleicht auch cool an diesem Raum hier die Jugendlichen können sich relativ frei bewegen und dadurch dass wir hier keine Grabstätten oder sowas haben, haben wir auch nicht so strenge Verhaltensregeln zum Beispiel, weshalb dann die Jugendlichen auf die Erfahrung machen dürfen.
00:16:57: Es war ja relativ entspannt und man konnte hier ganz frei in die Themen hineintauchen.
00:17:03: von daher eigentlich nur positiv.
00:17:06: Das ist schön!
00:17:07: Die Geschichte dieses Ortes ist lange kaum sichtbar gewesen umso wichtiger als die Frage wie wir heute damit umgehen.
00:17:14: Herr Altmaier welche Verbindung zur Gegenwart?
00:17:16: werden hier eine Ausstellung bzw.
00:17:18: in der Gedenkstätte bewusst hergestellt?
00:17:21: Also man kann natürlich den Zugang, also neben dem biografischen Zugang ist natürlich der Zugang des Ortes.
00:17:27: Wo war was wo ich heute lebe?
00:17:30: Zugang der immer noch total gut wirkt, wenn man das so verorten kann.
00:17:34: Dann haben wir ein Thema eine Migrationsgeschichte also gegen die Zwangsmigration.
00:17:38: aber ich glaube das ist ein total wichtiges Thema eine Arbeitsmigration, die hier unter Zwangstadt gefunden hat, die dann natürlich in anderen Formen entsprechend auch noch in den fünftiger-sechziger Jahren bis in die Gegenwart gezogen wird.
00:17:51: und eben wie arbeiten wir in einem Unternehmen zusammen?
00:17:56: Wie sind die verschiedenen Gruppen im Unternehmen
00:17:58: usw.,
00:17:58: das bietet totale Anknüpfung an die Gegenwart.
00:18:02: Ja, Stichwort Gegenwart?
00:18:03: Die Gedenkstätte ist ja erst im Jahr zwei Tausend Zweiundzwanzig eröffnet worden.
00:18:07: Warum so spät?
00:18:08: Also zum einen gab es auf der Ebene der Fabrik, solange sie noch existiert hat.
00:18:11: Sie hat acht neunzig hier endgültig den Standort in Frankfurt aufgegeben.
00:18:15: Ihrem Gebäude.
00:18:15: ein bisschen früher war es ein totales Tabu über die NS-Vergangenheit zu sprechen das haben ehemalige Mitarbeiter öfters erzählt dass auch mit Kündigung gedroht worden ist wenn man das zum Thema machen will.
00:18:29: Das ist so der eine Punkt, das in so einer verzögerte Aufarbeitungsgeschichte gegeben hat.
00:18:33: Dann haben wir natürlich in Frankfurt viele Erinnerungsmomente,
00:18:36: d.h.,
00:18:37: man hat ganz viel zu jüdischen Leben entsprechend gemacht, berechtigterweise natürlich.
00:18:41: Aber es hat natürlich in einem kleinen Ort gewesen mit Zehntausendeinwohnern und es gibt nur dieses Konzentrationslager.
00:18:49: oder hauptsächlich als Verbrechenskomplex hätte man glaube ich nochmal anders die Geschichte erzählen können.
00:18:55: Und dann gab es dann nochmal sebatten, ob denn eine Ausstellung nötig ist.
00:19:00: Ob das andere Einrichtungen mit nebenher behandeln können oder ob Kunstaktionen, ob das die adäquatere Vermittlungsformen sind, also in so einer Eventkultur und es hat eigentlich gedauert bis zum Jahr zwei tausendsechzehn, wo sowohl sich von den Initiativen was verändert hat als auch der Ort ist da, weil eine Zivilgesellschaft diesen Ort gefordert hat.
00:19:21: Das finde ich total wichtig nochmal wahrzunehmen dass man eben nicht sagt es ist eine Gedenkschätte die von oben etabliert worden ist sondern über einen Druck über viele viele Jahre über verschiedene Gedenkzeichen die hier im Stadtteil und an anderen Orten entsprechend geschaffen wurden ist wo diese Forderungen nach einer Gedenke- und Bildungsstätte immer wieder neu gestellt und immer wieder aktualisiert.
00:19:42: und dann hat sich eben auch in das Stadt langsam etwas verändert so eine Offenheit gebracht und vielleicht könnte man sagen, vielleicht nicht die Stadt als Gesamtstadt aber zumindest war lange Zeit an bestimmten Stellen gewisse Vetoakteure, die da wenig Interesse gehabt haben.
00:19:59: Und die waren dann vielleicht weg oder neue Leute sind hineingekommen, die einfach diesem Thema offener gewesen
00:20:04: sind.
00:20:05: Ja, wunderbar.
00:20:06: Sonst konnte mir jetzt heute nicht hier stehen und das Interview führen, also ich finde es auch ganz wichtig und dass sie auch hartnäckig geblieben sind, ne?
00:20:12: Dass die Gedenkstätte hier errichtet werden soll.
00:20:15: Und gleichzeitig muss man was sagen – bei aller Freude natürlich!
00:20:19: Beide Öffnung der Gedenkschätte gab's noch zwei Überlebende.
00:20:22: Okay.
00:20:23: Beide
00:20:23: haben in Australien gelebt.
00:20:24: Das war die Endphase oder Hauptphase der Covid-Zeit.
00:20:28: D.h.,
00:20:28: man konnte keinen Ninzigjährigen aus Australien her.
00:20:32: Das heißt, wir haben da einen Videostream gemacht und Siegmund Schwister war zum Beispiel schon eine Stunde vorher im VideostREAM um diese Eröffnung mitzuerleben.
00:20:40: Aber das heißt viele oder einige der Angehörige oder Überlebenden die hier gewesen sind, die noch in den Achtzigern, Neunzigern vielleicht mal nach Frankfurt gekommen sind, sie haben es nicht mehr erlebt.
00:20:51: Andrzej Pranetski, der hier relativ relevant war auf was in Frankfurt gewesen ist, ist zwei Jahre vor der Öffnung Verstorben.
00:20:58: Das heißt, ich finde immer so wichtig auch diese Geschichte mitzuerzählen weil es gleichzeitig bei aller Freude eine Geschichte des Scheiterns irgendwie ist und das muss man glaube ich mit thematisieren.
00:21:09: Ja auf jeden Fall stimme ich hinzu Sie haben jetzt schon ganz viel anklicken lassen warum dieser Ort so wichtig ist auch gerade hier mitten in der Stadt.
00:21:16: Warum ist es wichtig dass dieser Ort die Adlerwerke von früher sichtbar sind?
00:21:21: Sichtbar bleiben in der Stadtrankfurt
00:21:24: Weil es einen ganz spezifischen Verbrechenskomplex zeigt, der lange Zeit von den Fünfzigern hochguckt total am Rand gedrängt worden ist.
00:21:34: Es gab so eine Phase in der Neunzeigung, wo man über Zwangsarbeit ein bisschen gesprochen hat über diese Entschädigungsverfahren die entsprechend aus den USA angestrebt wurden sind.
00:21:43: dann ist das mal gekommen aber im Alltagsbewusstsein ist es überhaupt nicht präsent.
00:21:49: Vielleicht bei gewissen Generationen hat man im Gespräch ja bei uns zwar irgendwie auch meine Ukrainerin auf dem Bauernhof Aber das ist wirklich ganz, ganz fern und dass eben so ein Alltagsphänomenen ist.
00:21:59: Und es ist wirklich ein Verbrechen was mitten in der Stadt, mitten im Gesellschaft stattgefunden hat, was alle in den vierziger Jahren mitkriegen konnten.
00:22:07: Ich glaube diese Geschichte ist total wichtig zu erzählen, dass man nicht die Verbrechungen sind irgendwo, sie sind in Berlin oder in Osteuropa sondern die Verbrächen haben... In Frankfurt, aber in jedem anderen Ort auch.
00:22:17: Da können sie in ein mittelgroße Städte oder einen Dörfer gehen.
00:22:20: Auch da finden Sie Zwangsarbeiterinnen und Zwangsserbeite – das ist nicht nur die großen Firmen sondern auch die kleinen Handwerker.
00:22:25: Und das ist glaube ich um dieses System zu verstehen, es ist total wichtig in diese Alltagsdimension hineinzukommen.
00:22:32: Ich glaube hier können wir so einen Moment dieser Alltagssituation ganz gut erleben.
00:22:37: Ja, haben Sie den Menschen in der Ausstellung schon gehabt?
00:22:40: Die hier tatsächlich auch zur Zeit wo die Adlerwerke als Konzentrationslage auch gedient haben sagen das habe ich nicht gewusst.
00:22:48: Es gab so im Eröffnungsprozess ältere Damen die als Kind im Stadtteil gelebt haben oder verwandte besucht haben und da aber zwei total gegenläufige Erzählungen.
00:22:57: Ich glaube die habe ich innerhalb von einer Woche bekommen, die eine ältare Dame sagt meine Mutter hat ein Friseurladen direkt gegenüber gehabt.
00:23:04: Ich habe die Häftlingen bei den Hoflaufen sehen und ich wusste, dass es polnische KZ-Häftlinge sind.
00:23:10: Und eine andere Dame sagt, naja, ich war hier jeden Sonntag im Galus gewesen, ich hab davon nie was mitbekommen.
00:23:17: Meine Meinung nach ist wer hier im Galos gelebt hat oder die Leute hier gearbeitet haben etwas mitbekommen?
00:23:22: Die Frage ist natürlich wie sie das bewerten und so dem Nachprozess ist.
00:23:27: aber ich würde behaupten jeder der hier geararbeitet geht irgendwie heim und erzählt am Abendbrotisch irgendwas.
00:23:33: Nicht alle Details, aber ich glaube es ist ein totales Wissen im Stadtteil gewesen.
00:23:37: Und auch darüber muss man eben reden.
00:23:40: warum wird das verdrängt?
00:23:41: oder auch das ist für mich eine Geschichte dieses Ortes.
00:23:43: Warum dauert's denn so lange über die NS-Verbrechen zu reden?
00:23:47: Das sind anderen Orten auch hier relativ lang oder bedeuten länger als in anderen Städten, aber genau diese schwierige Annäherung an dieses Kapitel der Geschichte.
00:23:56: Auch darüber muss
00:23:58: die Nähe zur Stadt oder dass es wirklich in der Stadt stattgefunden hat, das Besondere auch hier an der Gedenkstätte im Gegensatz zu anderen Gedenktätten in Frankfurt.
00:24:07: Wenn wir jetzt mal bei der Stadt Frankfurt bleiben, was würden Sie sagen?
00:24:10: Was ist das Besondere an dieser Gedenkkstätte?
00:24:12: Oder Frau Martini, ja gerne!
00:24:14: Ich würde sagen, es ist keine Besonderheit in Frankfurt.
00:24:16: Weil zum Beispiel auch die Deportation der jüdischen Frankfurterinnen über die Großmarkthalle sehr sichtbar waren und das war ein weiterer Verbrechenskomplex den die Bevölkerung oder auch die Frankfurtern alle mitbekommen haben weil das sehr sichtlich war.
00:24:32: aber ich glaube im Vergleich zu anderen Konzentrationslager und auch anderen kleineren Außenlagern superzentrale innerstädtische Lage und auch die Verflechtung in das Viertel hinein.
00:24:47: Also sowohl die Häftlinge waren regelmäßig hier in der Nachbarschaft unterwegs, sie waren sichtbar in den gestreiften Uniformen aber auch die SS-Männer zum Beispiel.
00:24:58: Die haben regelfreundschaftengepflegt hier in einer Nachbarshaft und es gab dann aber auch immer wieder externe Personen, die Zugang zum Lager hatten und sich dort umschauen konnten.
00:25:08: also so berichtet zb einen Versicherungsangestellter, dass er zufällig da oben in diesem Lager dann gelandet ist und überrascht war was er davor findet.
00:25:17: Also man muss irgendwie sehen das Lager nicht abgeschlossen war und glaube diese Einbettung ins Viertel war schon besonders eng.
00:25:27: Das war bei vielen großen Konzentrationslagern auch so.
00:25:30: Die konnten nur so gut funktionieren weil sie eben eingebettet waren in die Stadt.
00:25:36: Aber hier hat man nochmal diese Enger.
00:25:38: Mein Kollege hat schon gesagt, dass Sie sehen immer noch hier die Häuser.
00:25:41: Das sind ein paar Meter direkt gegenüber und die waren auch damals bewohnt.
00:25:45: Also da ist eine wirklich sehr enge geografische Nähe.
00:25:49: Ja.
00:25:50: Wir können jetzt vielleicht nochmal das KZ Katzbach wie das Konzept dazu zu vergehen in Adlerbergten gehießen hat war Teil des KZ-Komplexes der Zweiler.
00:25:58: also das Kz Natzweiler war quasi das Hauptlager und darum entstanden über fünfzig Außenlager.
00:26:04: Frankfurt ist das einzige Lager würde ich sagen dass wirklich mitten in der Stadt ist.
00:26:10: Es gab auch ein Mannheim-Eins, das war bei Mannheim im Sandhofen, was so ein eingemeintetes Dorf ist und aus dem Dorf – da waren die Herrscherinnen nach Schule untergebracht, in einer heutigen Grundschule – und mussten dort acht Kilometer in die Produktion mit Daimler-Benz laufen.
00:26:22: Hier ist es alles viel, viel kompakter und viel näher.
00:26:25: Und ich glaube, das ist auch in diesem KZ-Komplex einfach eine Besonderheit, dass diese Nähe und dieses In-der-Fabrik sein und im Stadthal sein.
00:26:33: Diese Verdichtung ist, glaube ich, wirklich das Besondere hier.
00:26:37: Umso für mich unvorstellbarer, dass man nichts getan hat.
00:26:40: Aber das ist ja sowieso das Thema finde ich.
00:26:42: zur NS-Zeiten und diese Fragen die aufkommen zumindest auch bei mir.
00:26:46: Warum hat da niemand was getan?
00:26:48: Das ist nicht so einfach zu beantworten aber wenn man es natürlich sieht schwierig.
00:26:56: Immer die Frage, was heißt getan und was sind Hattlungsspielräume fort?
00:26:59: Auch da gibt es hier Geschichten, die wir hier entsprechend erzählen von Leuten, die mitgeholfen haben in den entflonenen Heftlingen zu suchen.
00:27:07: Und ihnen verraten haben bis hin zu Vorarbeitern, die ein Stück Brot auf die Maschine gelegt haben wo die Häftlinge dann im heimlichen Moment das entsprechend nehmen konnten und andere Vorarbeiter aber wieder anders reagiert haben.
00:27:19: also auch Da gibt's verschiedene Handlungsspielräumen, die auch Teil der Vermittlungsarbeit entsprechend
00:27:25: sind.
00:27:25: Genau, das ist glaube ich auch ein ganz wichtiger Moment den wir in unserer Vermittlungsarbeit immer wieder stark machen.
00:27:31: Die Handlungsspielräume die sich im Kontakt mit dem Lager und den Inhaftierten ergeben haben.
00:27:37: also man konnte sich entscheiden wie ich mich gegenüber den Häftlingen verhalte und es ist auch spannend mit Jugendlichen beispielsweise aber auch mit Erwachsenen.
00:27:45: da gibt's immer wieder Diskussionen und dieser Diskurs oder die Narrative Man konnte ja sowieso nichts machen und niemand hat etwas gewusst.
00:27:53: Und wenn man was gemacht hat, dann wurde man auch selber umgebracht.
00:27:57: Das sind so sehr gängige Narrative die in Teilen natürlich auch zutreffen aber bei uns auch immer wieder infrage gestellt werden weil es gab Menschen die konnten sich entscheiden wie sie sich verhalten zum Beispiel die Arbeiter der Adlerwerke.
00:28:11: die konnten ihre Macht die sie über die Häftlinge hatten, durchaus missbrauchen oder aber ihre Macht nutzen den Häftlingen das Leben zu erleichtern.
00:28:19: Und es zeigt nochmal so wie wichtig ist eigentlich es über diese Handlungsspielräume zu sprechen?
00:28:24: von diesen schwarz-weiß Bildern so ein bisschen wegzukommen und vielmehr auf diese Schattierung und Grauzonen zu gucken.
00:28:31: Was sind diese individuellen Momente in den konkreten Situationen, wie man sich entsprechend verhalten kann?
00:28:36: Und auch da ist mal einen Rückzug bei der Gegenwart, weil man dann überlegen kann, wie verhalte ich mich denn in gewissen Situationen entsprechen die ja viel weniger lebensbedrohlich sind als in der NS Zeit.
00:28:45: Ja absolut!
00:28:47: Ja, vielen Dank für die Einschätzung auch.
00:28:50: Was hat sie denn persönlich dazu gebracht an einem Ort wie diesen hier zu arbeiten?
00:28:55: Sich mit den Themen zu beschäftigen?
00:28:59: Ich kann gerne beginnen.
00:29:00: also ich finde zum einen die Themen selber einfach total spannend.
00:29:04: als ich das erste Mal erfahren habe dass es hier in Konzentrationslager gab da gab's auch die Gedenkstätte noch gar nicht war ich selber sehr überrascht und dachte ach hoppla okay das kann ja gar nicht sein eigentlich.
00:29:13: und dann bin ich so ein bisschen politische Bildungsarbeit auch zur Gedenkstättenpädagogik gekommen.
00:29:21: Und so kam dann eins zum anderen, also es war jetzt keine Entscheidung die ich schon als Teenager getroffen hatte.
00:29:26: Ich möchte später in einer Gedenkschritte arbeiten und das hat sich eher so ergeben.
00:29:31: aber natürlich ist es auch total toll einen Job zu haben wo man weiß okay ich vermitle eigentlich ein Thema was total wichtig ist und was auch für die Gegenwart total wichtig is, sich damit auseinanderzusetzen weil viel bringt sich mit Geschichte auseinanderzusetzen, um Gegenwart und Zukunft aktiv gestalten zu können.
00:29:51: Und aus dieser Überzeugung mache ich diesen Job genau.
00:29:56: Und Sie Herr Altmaier?
00:29:57: Also gibt es auf zwei Ebenen die eine Ebene ist.
00:30:00: Ich war ja schon vor beim Schütteln Grasdeutscher Widerstand als Leitung und als Mitarbeiter gewesen und wir haben dann die Ausstellung mit dem Förderverein das Projekt entwickelt.
00:30:13: Ich bin über den Arbeitsprozess natürlich mit hinein gekommen und habe mit dafür gesorgt, dass der Ort heute so aussieht wie er aussieht.
00:30:21: Und mit entsprechenden Kolleginnen und Kollegen.
00:30:23: Und die andere Ebene ist glaube ich das ich beim Studienkreis gelandet bin.
00:30:27: vorher liegt daran... Kommen wir ein bisschen aus der Rechtsextremismusforschung und erst mal relativ schnell eben auch in NS vergangenheit.
00:30:33: Also wenn ich über Nazis dagegenwarte spreche, muss ich ja gucken was waren die Nazis früher?
00:30:38: Welche Ideologien sind entsprechend dort gewesen?
00:30:40: Und habe mich immer mit den Themen beschäftigt und hab dann die Möglichkeit gehabt eben im Studienkreis Deutscher Widerstand und zum Drayentrasi bis zu nineteen vierzig zu arbeiten und entsprechend dort an dem Widerstand Und auch da sind es das Thema Konzentrationslager ja gar nicht weit, weil viele politische Gegner eben auch in Konzentationslagern eingesperrt wurden.
00:30:58: So wie hier.
00:30:59: die meisten polnischen Häftlinge sind im Warschau-Aufstand festgenommen worden und zum Teil eben auch aufständische und Widerstandskämpfe, die eben auch wieder hier an den Ort hinein gekommen
00:31:08: sind.
00:31:09: Was wünschen Sie sich denn für die Zukunft der Erinnerungskultur Frankfurt aber natürlich auch für die Adlerwerke mit diesem Gedenkort?
00:31:17: Stabilität?
00:31:18: ich glaube... Uns geht es in Frankfurt noch vergleichsweise gut, wenn ich mit Kollegen aus anderen Orten spreche die natürlich noch viel stärker von rechtsextremen Angriffen konfortiert sind.
00:31:29: Die eventuell dennext die AfD als alleinige Regierungspartei in ihrem Bundesland haben.
00:31:35: Ich glaube das ist wirklich ein großer Angriff und Eingriff auf Gedenkstätten- und Änderungskultur.
00:31:41: Das sind wir glücklicherweise noch ein Stück weit entfernt.
00:31:44: uns darf auch gerne noch weiter entfernt sein also jetzt sind.
00:31:47: aber ich glaube eben Wichtig ist, dass Gesellschaft und Politik dafür ein Gefühl hat.
00:31:53: Und entsprechend sieht wie wichtig diese Momente sind auch für die Demokratie-Geschichte und Demokratie heute.
00:32:00: Und das natürlich ein stabiles Fundament und auch ein stabiles finanzielles Fundament gelegt wird.
00:32:06: Wir haben ja total viele Ehrenamtliche, die uns hier in der Arbeit unterstützen.
00:32:09: Sonst könnten wir dieser Arbeit gar nicht machen!
00:32:12: Wir haben hier nur eins Komma drei Personalstellen ultra klein.
00:32:19: Und bei allem Engagement, was total wichtig ist und total toll ist, braucht es einfach eine grundlegende finanzielle Ausstattung für uns aber eben auch für viele andere Orte auch.
00:32:29: Ich hoffe dass das Land Hessen da jetzt auch stärker wahrnimmt und vielleicht hineingeht weil die NS-Gedenkstätten in Hessen alle eine größere Förderung brauchen.
00:32:38: Ja das ist auf jeden Fall wünschenswert.
00:32:40: Frau Martini, was wünschen Sie sich für diesen Ort?
00:32:43: Viele weitere interessierte Menschen, die Lust haben in den Dialog zu treten.
00:32:48: Ich glaube das ist total wichtig und dass es auch was Spaß macht im Austausch bleiben ins Gespräch kommen sich miteinander über die Themen sowohl der Geschichte als aber auch der Gegenwart unterhalten und darüber austauschen.
00:33:00: und davon lebt dieser Ort auch und deswegen wünsche ich mir das auch in der Zukunft.
00:33:05: Vielen herzlichen Dank, dass ich hier heute sein durfte, dass Sie mir den Geschichtsort, den Ort der Adlerwerke näher gebracht haben natürlich auch unseren Hörerinnen und Hörern.
00:33:14: vielen dank
00:33:16: Ja, vielen Dank fürs
00:33:24: Kommen.
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